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Grenzen der Menschenrechte.

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Termin23.01.2020
19:00  - 21:00
Veranstaltungsort Windscheidstraße 51
04277 Leipzig


VORTRAG & DISKUSSION

Grenzen der Menschenrechte. Staatsbürgerschaft, Zugehörigkeit, Partizipation

Franziska Martinsen, Hannover

Im derzeitigen „Katalog der Menschenrechte“ fehlt ein zentrales Recht, das Hannah Arendt das „Recht auf Rechte“ nennt. Dadurch bleibt vielen Menschen, wenn sie nicht Staatsbürger*innen eines Landes sind, in der nationalstaatlichen Praxis das Recht auf politische Mitgestaltung vorenthalten. 70 Jahre nach der Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ist daher eine kritische Revision des Menschenrechtsverständnisses dringend erforderlich.

Franziska Martinsen erläutert ihren Theorie-Ansatz aus der Perspektive der Radikalen Demokratie 1). Ihr vorgestellter Ansatz besagt, dass Menschenrechte erst dann ihr ermächtigendes Potenzial weltweit entfalten können, wenn sie weniger als humanitäre denn als originär politische Rechte verstanden werden.

PD Dr. Franziska Martinsen ist Privatdozentin an der Leibniz Universität Hannover und forscht und lehrt als Gast- und Vertretungsprofessorin für Politische Theorie und Ideengeschichte an verschiedenen Universitäten im In- und Ausland. Ihre Forschungs- gebiete umfassen u.a. Politische Philosophie, Politische Theorie und Ideen-geschichte und Geschlechterstudien.

Eintritt: 4,- | 2,- Euro ermäßigt

 

1) zur Radikalen Demokratie: In der Idee der Radikaldemokratie geht es vor allem um die Demokratisierung aller gesellschaftlichen Verhältnisse, d. h. um die Überwindung autoritärer und hierarchischer Strukturen, die Voraussetzung für eine selbstbestimmte Gestaltung aller Lebensverhältnisse eines jeden Einzelnen sind.

Weil entscheidende Bereiche demokratischer Kontrolle entzogen (wie z. B. in der Wirtschaft) oder autoritär organisiert sind (wie z. B. das Bildungs-system), kritisieren Radikaldemokraten den undemokratischen Charakter dieser Gesellschaft und treten für ihre Veränderung ein. Es geht hierbei vor allem um die Emanzipation des Einzelnen und gesellschaftliche Verhältnisse, die Selbstbestimmung umfassend ermöglichen. Befreiung des Einzelnen von Herrschaft und Unterdrückung und die Schaffung einer emanzipatorischen Gesellschaft sind in der Radikaldemokratie untrennbar miteinander verbunden.